Abschied

 

Impressionen an Hündchengräbern

oder

 

Heimweh nach einem kleinen Hund

von Brigitte Kellermann

 

Die Hügel sind am Wald gelagert,

in Zeiten wechselnd ihre Farben

zu grün und eis

und moos und weiss

mit anfangs erdebraunem Schimmer,

mal traurig unterm Regenhimmel,

mal freundlich angestrahlt im Lichte.

 

Kalender mehren ihre Dichte. -

Es laufen d'rüberhin die Wichte

mit Frohgeläut

und spielbereit

zu Falterjagd und Mäusegraben. -

Nur einmal werden sie getragen -

und wandeln sich zu Hügeln still.

 

Wintertag -, wenn Schattenspiel

die weite Weisse, Wolkenpfühl

und Dünste mischt -

und Flockengischt-

wie Tuch - das Stimmentonband streicht,

dass Stimmenstille Tönen gleicht,

dann löst sich sanft der «Kleine Nik».

 

Wir waren Freunde und im Glück.

Er kam von fernher nie zurück.

Fleck im Asphalt,

formlos und kalt,

so blieb er -, als ersuchend, schweifend,

Moos und Eis wundfüssig streifend,

in Tagen, Nächten heimwärts lief.

 

Erinnerung und Spuk ich rief.

Er fliegt auf Nebeln trippelnd tief-

und leis' heran -

und schaut mich an -

und trägt in toten Augen schwer

und sehnend seinen Blick zu mir,

der mich mit Traurigkeit umwindet.

 

Bis Dunkelheit die Hügel findet -

und er mit Schatten zögernd schwindet. -

Ganz leise spreche ich: « Verzeih’! »

Und halte mir - du weisst schon wo -

ein Plätzchen frei! »

 

Copyright: Brigitte Kellermann

 

Foto Kellermann